Nachdenkliches

Worte, Texte, Ideen...was mir über den Weg läuft und mich Nachdenklich macht - manches davon kann man aufheben und anderen Leuten weitergeben...




The Cat

She was licking
the opened tin
for houers and houers
without realising
that she was drinking
her own blood.

spyros kyriazopoulos





Earthlings



 

 

Nebel steigt lautlos über das Tal,
verschluckt die Sonne, zerbricht den Strahl,
nimmt Himmel und Erde mit eiskalter Hand
die Farben, hüllt sie in sein graues Gewand.

Nebel steigt lautlos über das Tal,
verschluckt die Hoffnung, nimmt Dir jede Wahl,
jede Richtung, hier gibt es kein Hin oder Her,
nur Dich und das Zwielicht, und doch - so viel mehr...

... Schatten und Ratten,
Geister und Meister,
Diebe der Liebe und Liebe der Diebe,
Ziele und Spiele,
Richter und Dichter,
Einsamkeit, Zweisamkeit, Einheit und Freiheit...

Nebel steigt lautlos über die Qual,
verschluckt die Selbstsucht, lockt Dich in das Tal
Deiner Einsamkeit, hier wirst Du neu geboren,
hast in Deinem Wesen Dich endlich verloren.

Stefan Brinkman




 

 

 

 

 

 

 

STEFAN ZWEIG

Leuchtendes, glühendes, rauschendes Leben
springt an und reißt mit und läßt keinen mehr los,
macht heiß und macht kühn und macht freudig und groß,
rüttelt auf und macht wacher mit kraftvollem Stoß,
läßt die Fluten von Glanz nie und nimmer verebben-

packt dich und hält dich und sprudelt dich an.
Sturzflut erfaßt dich und rast mit dir fort-
was kein Wildbach, kein Wirbel, kein Hochwasser kann,
hat dies Atmen vieltausende Male schon getan,
dieses heiße, verzehrende, glasklare Wort.

Kühl dann und still wie ein nordischer See,
glitzernd und weich wie frisch fallender Schnee,
sieht es uns an wie viel uraltes Gold,
das altrot und schwer durch die Finger rollt
und schön ist wie sonst nur unsagbarer Traum,
der dich ansieht, tiefleuchtend aus dunkelndem Raum-

und bäumt sich dann auf, als besinne es sich,
und packt wieder an und reißt wieder mit,
schreit dich an, lacht dich an, weint dich an: das bin ich!
Und es packt dich ein Sehnen, das süß ist und zieht,
ein Sehnen nach Menschen, ein heißes "Versprich!"
und dann klingt es aus wie ein Nachtigall-Lied.

 Selma Meerbaum-Eisinger



 

 

 

 

Augenblick

Ich verspür enorme Lust
mein jetziges Dasein
Wie alte rissige Haut
Von mir zu streifen

Dies Revier hinter Zäunen
Dies ewige Morgenrot
Von Argwohn behütet
Der meine jugend frißt
Mit absurdem Verdacht

Dies Dämmern zu meiden
Vorm bösen Erwachen
Flieh ich als Emigrant
Auf Schiffen ins Dunkel

Wohin sie mich führt
Diese Emigration
Ist ungewiß ihr Bereich
Muß wie eine Insel
Durch Nebel und Wasser
Von meiner Gegenwart
Getrennt sein dorthin
Wo morgens die Hoffnung
Auf einen lebenswerten Tag
Hell aus dem Meer steigt



 

 

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