Die Hybridenfrage


Hybride und ihr Ruf in der Heimtierhaltung

Fast jeder, der sich schon mit Heimtierzucht oder Haltung beschäftigt hat ist auf das Wort "Hybrid" gestoßen, wobei nicht immer ganz klar ist was genau das jetzt für ein Tier ist, ob Hybridisierung nun als "Gut" oder "Böse" einzuordnen ist und was die Haltung und Zucht von Hybriden bedeutet. Ich hoffe mit diesem Beitrag etwas Licht ins Dunkle bringen zu können.


Was ist eigentlich ein Hybrid?

Was ist nun eigentlich ein Hybrid? Unter einem Hybrid versteht man ganz allgemein eine Individuum, dass durch das kreuzen/paaren zweier Tiere unterschiedlicher Gattungen oder Arten entstanden sind. Ganz klassische Beispiele dafür sind Maultiere und Mulis (Pferd + Esel), viele unserer Nut-z und Zimmerpflanzen (zB. div. Orchideen und Carnivoren) und von Haus mit Wildtieren wie zB. Wolfshunde. Hybride sind dabei sind nicht nur die Ergebnisse dieser Paarungen in erster Generation, sondern alle folgenden Nachkommen, die auf diese Kreuzung zurückzuführen sind.

 

Ganz zu Anfang können wir also verschiedene Arten von Hybriden unterscheiden:

  1. Gattunsghybriden sind Hybriden die durch die Kreuzung von zwei Verschiedenen Gattungen entstanden sind. Konkret heißt das für uns, dass die beteiligten Arten in ihrere wissenschaftlichen Bezeichnung im ersten Teil ihres Namens unterschiedliche Worte tragen wie zB. bei der Keuzung von Kornnatter mit Königsnatter um eine "Jungle" zu erhalten: Pantherophis guttatus mit Lamproletus sp. ergibt einen Hybriden beider Arten. Wissenschaftlich als PantherophisXLamproletus zu führen, in der Terraristik als "Jungle" bekannt.
  2. Arthybriden. Arthybriden begegnen uns in der Tierhaltung recht häufig. Im Gegensatz zu Gattungshybriden entstehen sie häufig auch auf natürlichem Wege, ohne das eine Paarung kompliziert herbeigeführt werden muss. Hierbei sind Ausgangsarten beteiligt, die in ihrer wissenschaftlichen Bezeichnung den gleichen "Vornamen" und unterschiedliche "Nachnamen" tragen, wie bei den Beliebten Zwerghamsterhybriden aus Campbellzwerghamster Phodopus campbelli und dem Dsungarischen Zwerghamster Phodopus sungorus.
  3. Rasse-/Linien-/Unterart-/Standortvarianten-Hybridisierung ist keine Hybridisierung im biologischen Sinn, den die beteiligten Ausgangstiere gehören der selben Art an, allerdings verschiedenen Rassen, Farbzuchten oder Standortvarianten. Weswegen man sie in der Heimtierhaltung häufig als Hybriden oder Mixe bezeichnet. zB. der Fall bei dem Verpaaren verschiedener Boa constrictor constricor verschiedener Verbreitungsgebiete.

 


Warum ist die Hybridzucht so negativ belastet?

 

Die meisten Nager-, Reptilien- und Aquarienfreunde verbinden mit dem Wort Hybrid etwas negatives. Aber warum?

 

Bei Hybriden ist nicht immer klar, wie sie sich von Verhalten und Gesundheit her verhalten. Gerade bei Hybriden mit Hunden oder Katzen fällt besonders auf, dass die Tiere charakterlich zwischen Baum und Borke hängen und nur bedingt für die Haustierhaltung geeignet sind. Genau so heikel ist die Haltung von Zwerghamsterhybriden, hier aber wegen dem Sozialverhalten der Tiere. Während die eine Art sehr sozial und in Gruppenverbänden zusammenlebt, ist die andere beteiligte Art zum größten Teil ein Einzelgänger. In welche Richtung das Tier tendiert kann nicht immer ausgetestet werden, was in diesem Fall viele Hybriden zu einem evtl. für sie ungeeigneten Haltungsform verdammt.

 

Häufig werden Hybriden unter einer falschen Artbezeichnung abgegeben bzw. sind nicht als solche gekennzeichnet oder klar erkennbar. Gerade in der Aquaristik und in der Kornnatterhaltung ein großes Problem. Aus verschiedenen Motivationen ist es Züchtern in der Heimtierhaltung wichtig, ihre Linien artrein zu halten. Wer eine Kornnatter kauft erwartet auch eine reine Kornnatter zu erhalten. Wer Campbell Zwerghamster züchtet möchte auch die Art in Heimtierhaltung als solche erhalten.

 

Angeblich sind Hybriden außerdem Gesundheitlich belastet:

  • Sterilität tritt in der Tat bei Art- und Gattungshybriden sehr häufig auf und ist auf die Hybridisierung zurück zu führen. Allerdings stellt das für den Hobbyhalter meist kein Nachteil dar.
  • Schwierigkeiten bei der Geburt und Aufzucht kommen auch relativ häufig vor. Besonders bei Säugern passt Häufig der Geburtskanal der einen Art/Rasse nicht zur Jungtiergröße der anderen, was für die Weibchen zu massiven Problemen führen kann.
  • Erbkrankheiten und durch bestimmte Farben ausgelöste Erkrankungen stehen zwar im Ruf ein Hybridenproblem zu sein (Diabetes oder Carmel bei Zwerghamstern) sind aber in 99% aller Fälle ein Problem der einen oder anderen beteiligten Art und nur durch unzureichende Zuchtauslese bedingt.
  • Viele Verpaarungen, die zu Hybriden führen werden mit zu wenig Hintergrundwissen angesetzt oder stammen von sogenannten Vermehrern. Die Zuchtauswahl (Zucht mit nicht zuchttauglichen Elterntieren, zB. Verkümmerungen der Wirbelsäule bei Schlangen, unzureichender Aufzucht, Qualzuchten, etc...) der Elterntiere ist noch häufiger schlecht als bei artreinen Verpaarungen, was auch bei den Nachzuchten zu Problemen führt. Außerdem ist die Aufzucht der Jungtiere dazu meist auch noch zu wenig fachkundig. All das führt zu einem Tier mit nicht gerade den optimalen gesundheitlichen Startbedingungen, ist aber auch bei Artreinen Tieren möglich.

Mit bewusster Zuchtauswahl, Genetikwissen und Aufzucht ist es aber durchaus gut möglich gesunde Hybride zu züchten.


Warum werden Hybriden überhaupt gezüchtet?

Hybriden an sich werden schon lange in Menschenhand bewusst gezüchtet, weil dadurch schnell und einfach Eigenschaften optimiert werden können. So sind Maultiere wunderbar unerschrockene und leistungsfähige Arbeitstiere, die die besten Eigenschaften beider Arten vereinen und jeder der schon einmal einen Kornnatterhybrid der Variante "Creamsicle" gesehen hat wird mir zustimmen, dass es wunderschöne Tiere sind.

 

Außerdem muss man sich bewusst sein, dass die Einteilung in Gattungen, Arten und Rassen eine künstliche und von Menschenhand geschaffene ist, die zudem mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft variiert. So kann eine Art von einem Wissenschaftler in diesem Jahr als eine Art und im nächsten Jahr zu zwei ganz unterschiedlichen Arten zugeordnet werden. Welche wissenschaftlichen Ansichten sich durchsetzen ist zudem häufig eher dem Zufall überlassen.

So wurden jahrelang in der Heimtierhaltung Tiere verpaart, von denen man ausgegangen ist, dass sie einer Art angehören, die aber inzwischen aber unterschiedlichen Arten und Gattungen zugeordnet wurden. Weswegen davon auszugehen ist, dass zB. diverse Natter-Arten in der Heimtierhaltung alle nicht mehr als 100%ig rein zu betrachten sind.

 

Häufig wird behauptet, dass bestimmte Mutationen durch Hybridisierung entstehen würden. Das ist falsch. Eine Mutation kann zwar an einen Hybriden vererbt werden, ist aber immer auf die eine oder andere Beteiligte Art zurück zu führen.


Und was machen wir nun mit der Hybridenzucht?

Wie oben beschrieben sind Hybriden weder zwangsläufig krank, noch züchterisch vollkommen sinnfrei. Aber in der Vermehrung von Hybriden müssen einige Faktoren berücksichtigt werden:

 

  1. Hybriden müssen als solche gekennzeichnet gezüchtet und verkauft werden um unerwünschte Hybridisierung zu vermeiden.
  2. Bei der Hybridenzucht muss ausgesprochen gut auf gesundheitliche und charakterliche Einschränkungen geachtet und selektiert werden um einen Leidensdruck der Tiere zu vermeiden.
  3. Noch viel weniger als artreine Tiere dürfen Hybriden in die freie Natur gelangen!

Dann spricht grundlegend aber nichts gegen das Züchten von Hybriden. In den richtigen Händen können also durchaus gesunde und gut haltbare Heimtiere gezüchtet werden.


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