Wann ist ein Züchter wirklich ein Züchter?

Wann ist ein Züchter wirklich ein Züchter? In der Internetgemeinde finden sich viele, die diese Bezeichnung für sich beanspruchen. Mit vielen auf den ersten Blick guten Vorsätzen und "Projekten". Es ist aber zu beobachten, dass viele dieser Züchte überdurchschnittlich viele Tiere aus jedem Wurf abgeben, ständig Tiere zukaufen, sehr kleine Bestände haben, nur kurze Zeit das Hobby betreiben, nicht über ausreichendes Zuchtwissen verfügen und nicht, oder kaum, über mehrere Generationen ziehen.

 

Was macht ihn also aus, den "richtigen Züchter", der die Bezeichnung auch wirklich verdient hat und sich vom Vermehrer abhebt?

 

  1. Zu aller erst braucht er den richtigen Abstand aber auch die richtige Nähe zum Tier. Einem richtigem Züchter ist jedes Tier und sein Wohlergehen ausgesprochen wichtig und auch eine Menge wert. Trotzdem ist ihm bewusst, dass es ein Tier ist und als solches Behandelt und Betrachtet werden muss. Besonders wenn es um Haltungsansprüche, Gesundheit und Euthanasie geht.
  2. Geld spielt (fast) keine Rolle. Das bezieht sich nicht auf Anschaffungskosten von seltenen Varianten und Arten oder, dass man einen Züchter beim Preis drücken darf. Sondern darauf, dass der Züchter Tierarzt und Haltungskosten in bester Qualität problemlos und bereitwillig trägt.
  3. Ein Züchter hat immer ein Zuchtziel, dass über "besonders Lieb und Gesund" hinausgeht. Existiert dies nicht und ist bei der Anschaffung und Entwicklung der Zucht keine Regelmäßigkeit zu erkennen ist in der Regel der Begriff  "Züchter" nicht zutreffend. Den in erster Linie macht das die Zucht aus: Nicht die mögliche Reproduktion von Tieren, sondern der Wunsch eine Art nach den eigenen Vorstellungen  zu gestalten motiviert den Züchter. Dass kann sowohl ein Projekt "zurück zum Urtyp", die Elemenierung von Krankheiten, Größe, Farbausprägung bis zu  Charakterbildung sein und ist unabhängig von "Zuchtstandards" diverser Vereinigungen sein. In der Regel hat ein echter Züchter aber genaue Vorstellungen von allen Eigenschaften, die sein Ziel-Tier mitbringen muss.
  4. Das bringt mit sich, dass Zuchttiere konkret ausgewählt werden. Werden möglichst viele bunte Farben gehalten oder für möglichst kleines Geld Tiere auf Börsen eingekauft ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass es hier mehr um Geld oder Sammelwut geht als um eine bewusste Zucht.
  5. In einer Zucht ist der feste Bestand an Tieren relativ konstant. Nur durch langfristiges Beobachten der Entwicklung, Gesundheit und des Verhaltens der einzelnen Tiere ist ihre Zuchtqualität wirklich konkret ein zu schätzen. Und nur durch wenig Neuzugänge kann eine Linie gefestigt werden und Ruhe in den Bestand kommen, der sonst ständig durch Fremdkeime belastet wird. Das hat auch zur Folge, dass beispielsweise geplante Verpaarungen nicht ständig gewechselt werden.
  6. Selbstverständlich ist auch Wissen über Haltungsvoraussetzungen, Erkrankungen und Verhalten der Art.
  7. Mindestens genau so wichtig ist das Zuchtwissen über die Art. Damit ist nicht ausschließlich Genetikwissen gemeint, sondern - noch wichtiger - Wissen über Zuchtpraxis allgemein. Züchter informieren sich ständig, vielfältig und sind jederzeit an Mehrwissen interessiert. Nicht so seriös ist die Zucht einzustufen, wenn zB. Rückkreutzungen und Linienzucht abgelehnt werden, man keine langfristigen Projekte findet oder grundlegendes genetisches Wissen nicht angewendet werden kann.
  8. Eigentlich nicht der Erwähnung wert: Selbstverständlich sollte in einer hochwertigen Zucht Wohnen von Mensch und Tier gepflegt und hygienisch sein.
  9. Ein Züchter, der ein Zuchtziel verfolgt hat keine Verpaarungen, die ausschließlich für den Verkauf bestimmt sind. Wird aus einem Wurf/Gelege/Zuchtansatz nicht mindestens ein Tier für die eigene Zucht zurück behalten ist eher von einer gewerblichen Vermehrung und nicht von einer Zucht die Rede sein. Natürlich kommt es auch vor, dass ein Züchter mit dem Ergebnis eines Projektes nicht zufrieden ist und alle Tiere abgibt. Das sollte aber eine Ausnahme sein. 
    In so einer Hobbyzucht werden wenig Abgabetiere produziert. In der Regel gibt es eine andere Lösung für die Tiere als die zwanghafte Abgabe. Im Vergleich zum, durchaus möglicherweise liebevollem, Vermehrer hat er in der Regel wenig Abgabetiere.
  10. Dafür aber stabile Preise, da die Tiere nicht in erster Linie für den Verkauf gezüchtet werden ist die Preispolitik von Züchtern mit Zuchtziel konsequent.
  11. Kauft jemand ein Tier oder wendet sich mit einer Frage an einen Züchter ist eine gute Beratung selbstverständlich.

 

An all diesen Punkten sind meiner Meinung nach wirklich gute Hobby-Züchter zu erkennen, die den Namen auch verdienen. Teilweise anders schaut es natürlich bei gewerblichen Züchtern aus, die mit dem Verkauf von Tieren ihren Lebensunterhalt bestreiten und nicht nur an einem Zuchtziel arbeiten.


Für den Liebhaber spielt es aber natürlich in der Regel keine Rolle, ob er sein Tier bei einem seriösem Verehrer (im "Tierschutz-Foren" als Züchter bezeichnet) mit kleinen Beständen, liebevoller Aufzucht und ohne ernsthaftes Zuchtziel und Zuchtwissen kaufen oder beim Züchter nach obigen Voraussetzungen.
Wer aber ein gutes Zuchttier sucht ist sicher besser aufgehoben, wenn er beim Züchter des Vertrauens sucht. 

Wer selbst verpaart und nachzieht kann seine Projekte, Wissen und Haltungen auf den Prüfstand stellen: Bin ich in einigen Punkten vielleicht eingefahren? Habe ich sie nicht umfassend berücksichtigt? Kann ich noch etwas lernen und möchte ich überhaupt ein Züchter sein oder doch lieber ein seriöser Vermehrer oder Hobbyhalter?

Es  ist zu erwähnen, dass Vermehrer hier nicht in Wortsinn verwendet, wird wie sonst in der Tierzucht üblich, sondern durchaus seine Berechtigung hat wie zB. den Erhalt einer Art oder eines Bestandes oder wenn es um gewerbliche Ziele geht. Sondern einfach  die Reproduktion einer Art ohne obrige Schwerpunkte meint und nicht mit tierschutzwiedrigem Handeln zwingend gleichzusetzen ist.



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