Die Kornnatter und ihr Preis.

Amel und Anery Kornnatter, adult

Es ist wieder so weit, in ein paar Wochen stehen die großen Herbstbörsen in Hamm und Houten stehen vor der Tür, die Inkubatoren und Aufzuchtanlage von großen und kleinen Züchtern sind voller Nachzuchten und es geht langsam aber sicher an den verkauf der Tiere.

In den letzten Jahren hat die Kornnatter in Deutschland enorm an Beliebtheit gewonnen, viele Varianten wurden bekannt und waren erschwinglich. Viele Terrarianer hat das zum Einstieg in Zucht und Haltung motiviert. Mit der Folge von massiver Überproduktion von Kornnattern, die Tiere sind extrem preiswert geworden und in den letzten zwei Jahren regelrecht aus der Mode gekommen. Die Leidtragenden sind wie immer: Die Tiere.

Aus vielen Beständen wurden Kornnattern massiv reduziert - es ist kein Geld mehr mit den Tieren zu verdienen und als Statussymbol taugen sie auch nicht mehr. Unglaublich viele Nachzuchten, in allen erdenklichen Farben, überschwemmen nach wie vor den Markt. Mit der Folge, dass der Preis ins Bodenlose gesunken ist. Gerade für häufige Varianten liegt der Preis auf Börsen oft bei unter 10€. Auch Angebote wie "eine Wildfarbene zu jeder Farbvariante GRATIS dazu" sind keine Ausnahme mehr. Viele Züchter verschenken ihre Tiere an mehr oder weniger gute Bekannte, oft bekommt man die Tiere geradezu aufgedrängt. Zahlreiche profitorientierte Händler und große internationale Züchter, die die Reptilienzucht wirtschaftlich betreiben, wie hierzulande die industrielle Geflügelzucht, erleichtern die Marktlage nicht unbedingt.

Die Folgen des Preisverfalls und der vergangenen Modeerscheinung sind einfach: Die Tiere werden oft wie Reptilien zweiter Klasse behandelt, teilweise schämen sich Besitzer schon für ihre Tiere. Die Nattern sind vielen Haltern nicht mehr die teilweise aufwendige Haltung und Tierarztkosten wert. Wieso auch, wenn ein neues Tier für 15€ an jeder Ecke zu haben ist? Und extrem viele als "Geldmaschinen und Statussymbol" angeschafte Tiere verlieren ihr Zuhause um Platz für Königspython und Hackennasennatter (die nächsten Modeopfer) zu machen. Es ist schwer für diese Tiere ein Heim zu finden. Oft werden auch adulte Tiere für sehr wenig Geld verkauft (30€ für eine adulte Wildfarbene) und überschwemmen Auffangstationen und Tierheime.

Es liegt also in unseren Händen als Züchter, Halter und Käufer nicht mit Modetrends zu schwimmen sondern nur die Tiere zu kauen und zu halten, die uns ganz persönlich am besten gefallen und mit denen wir wirklich die nächsten 15 oder mehr Jahre unser Heim teilen möchten.

Es ist an uns unsere eigenen Nachzuchten und Abgabetiere für einen angemessenen Preis zu verkaufen und so der Spirale abwärts entgegen zu wirken. Ich persönlich halte 30€ für ein Jungtier (< 18 Monate) und 60€ für eine adulte Kornnatter für ein absolutes Minimum als Wert eines Kornnatterlebens. Erstrebenswerter wäre ein Preis von mindestens 60€ für jede Kornnatter als Jungtier und +/- 120€ für ein gut gepflegtes adultes Tier. Relativ unabhängig um welche Variante es sich handelt. Für Zuchttiere ist nach oben natürlich keine Grenze gesetzt.
Genauso ist es unsere Aufgabe unsere Nachzuchten nur in gute Hände und potentielle Endstellen - auf Lebenszeit -  zu vermitteln.

Als Käufer gilt wie immer: Meidet Verkäufer mit unterirdischen Preisen. Wenn man einen Hausgefährten anschafft, sollte es nicht auf 10€ mehr oder weniger ankommen, tätigt keine Mitleidskäufe und informiert euch vor dem Kauf über eure Wunschart und Wunschzüchter.

Ein weiterer Punkt ist die rage ob es wirklich weiterhin nötig ist, dass man selbst Kornnattern vermehrt. Als Züchter sollte man sich und seine Zuchtvorhaben auf diese Punkte überprüfen: Was macht einen Züchter aus?
Viele Kornnatterzüchter halten sich inzwischen einen Schlangenfresser als Lösung für ungewollte Nachzuchten. Obwohl es genau so wenig zu begrüßen ist, dass diese Tiere mit vielfältigen Haltungsbedürnisen und einem hohem erreichbarem Alter quasi nur als Müllschlucker angeschaft werden, muss jeder Züchter eine Lösung dafür finden was mit nicht vermittelbaren Tieren passieren soll ohne zusätzliches Tierleid zu erzeugen. Und ob man überhaupt im großem Rahmen Kornnattern verkaufen möchte. In vielen Fällen ist es sicherlich besser sich auf die Zucht zum erreichen des eigenen Zuchtziels zu konzentrieren.


Kornnatter-Mix

Einige Links und Stellen für den Kornnatterfreund, der ein Tier aus einer Auffangstation einen Platz bieten möchte:

https://www.facebook.com/groups/reptiliennotfall/

http://www.auffangstation.eu/abgabetiere.html

http://www.reptilienstation.de/

http://www.reptilien-auffangstation.de/

http://www.reptilienauffangstation.de/
Oft lohnt es sich auch schon im örtlichem Tierheim vorbei zu schauen. Achtet dann aber besonders auf das Fachwissen des Personals vor Ort. Normale Tierheime sind vor allem auf Hunde und Katzen eingestellt und oft in der Reptilienpflege und in Reptilienkrankheiten nicht besonders bewandert. Im Zweifelsfall ist eine sehr gute Quarantäne nötig.

Wie geht ihr mit der Problematik um? Besonders bei Kauf und verkauf? Ich freue mich auf Eure Kommentare! Eure Felis.


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