Paarhaltung beim Mittelhamster

Der Hintergrund und Motivation

Da ich inzwischen in meiner vorwiegenden Futtertierzucht auf die Vermehrung von Vielzitzenmäusen und Ratten verzichte, habe ich mich auf die Suche nach alternativen Nagern gemacht und bin sehr schnell auf den Goldhamster gestoßen. Die Nager vermehren sich recht schnell, haben große Würfe und erreichen ein Gewicht um 200 g. Nur Einzelgänger sollen sie angeblich sein. Aber stimmt das wirklich?

Diese Frage habe ich mir gestellt und nach Nachfragen schnell die Antwort von Hobby-Futtertierzüchtern udn Züchtern aus Holland bekommen: Wir halten die dauerhaft als Pärchen in T3-Boxen (klassische Laborboxen mit dem Grundmaß einer DinA4-Seite). Nach meiner Erfahrung für einen Goldhamster absolut zu klein für die dauerhafte Haltung. Evtl. ist der Raum so klein, dass deswegen keine Revier-Rivalitäten zwischen den Partnern entstehen können?

Auch Martinas wundervoller Blog über Feldhamster hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen (siehe Quellen). Wer ihn verfolgt merkt sofort: Zumindest unsere europäischen Hamster sind alles andere als Einzelgänger. Sondern pflegen auch untereinander regelmäßigen Kontakt. Teilweise kommt es zum auftreten von regelrechten Kolonien, wenn die Bedingungen günstig sind.

Das es sich bei den meisten Zwerghamstern um sehr soziale Tiere handelt wissen wir inzwischen sehr genau.

Außerdem habe ich in meiner Jugend nur positive Erfahrung mit der Vergesellschaftung von männlichen und weiblichen Goldhamstern gemacht. Einige Liebhaberzüchter berichteten von Pärchen, die "zu harmonisch" waren und und sich ein Nest teilten anstatt sich fortzupflanzen.


Dazu kommt, dass keine Tierart ein echter Einzelgänger ist. Teilweise leben sie weit von einander entfernt oder haben wenig direkten Kontakt zu ihren Artgenossen. Kommunizieren aber durchaus über Entfernungen durch Gerüche, Geräusche, Verhalten und Markierungen. Diese Form des Sozialkontaktes nehmen wir Tieren in den Gefangenschaft indem wir sie als Einzelgänger abstempeln und ohne irgendeine Form von Kontaktmöglichkeit in Einzelhaft stecken. Auch dem Mittelhamster.


Leider ist über das Verhalten von Mittelhamstern unter natürlichen Bedingungen wenig bekannt. Fast alle Beobachtungen beziehen sich auf Hamster in Gefangenschaft unter mehr oder weniger natürlichen Bedingungen. In den wenigen berichten, in denen von evtl. naturnaher Haltung die Rede sein könnte kommt es zwischen den Tieren zu keinen direkten Auseinandersetzungen und nicht zu körperlichen Verletzungen. In der Regel wird beobachtet, dass das dominante Tier verhindert das alle anderen Mitbewohner, die das Revier nicht verlassen können, einen vollständigen Bau anlegen.

Zu krassen bis zuweilen tödlichen Auseinandersetzungen, wie man sie in Hamsterkreisen ausgemalt bekommt, habe ich keine Berichte gefunden.



Mein Ansatz

Ich hatte also den Entschluss gefasst der Paarhaltung ins Auge zu fassen und habe mich für die Zucht für zwei Tiere in Golden von Nadine C. entschieden (tolle Tiere, beide haben ein Gewicht von mehr als 180 g erreicht!). Die beiden habe ich bereits einzeln gesetzt semiadult erhalten und habe sie weitere drei Monate einzeln gehalten. Beide sind nicht zahm und reagieren abwehrend auf den Menschen.


Als Haltung habe ich vorerst Aquarien mit den Maßen 80x40x40 eingesetzt und diese mit einer Gitterabdeckung versehen. Anfangs verwendete ich Weichholzgranulat, inzwischen bin ich zu grabfähigem Terrariensand als Bodengrund übergegangen. Die Gehege sind in 3/4 ca. 30 cm tief eingestreut. Jedes Gehege ist mit einem Mehrkammerhaus von Rodipet versehen (eingegraben) Sowie diversen weiteren Verstecken, Wasser und Futternapf sowie einen Laufrad mit 28 cm Durchmesser. Als Einstreu biete ich Heu an.


Gefüttert wird mit meiner Campbell-Futtermischung, die durch Zuchtgetreide ergänzt wird. diverse tierische Kost und Grünfutter wird regelmäßig gereicht. Die Reinigung der Toilettenkammer erfolgt wöchentlich.


An einem Tag, an dem das Weibchen problemlos in Deckstarre viel habe ich die beiden zusammen gesetzt. Beide waren sofort begeistert. Nach ca. einer Stunde in einer Box auf neutralem Boden und Einstreu ohne Versteckmöglichkeiten habe ich sie gemeinsam in das Gehege des Männchen übergesiedelt. Problemlos erkundete sie das Gehege und richtete sich danach gemeinsam mit ihm im Nest ein. Seitdem kann ich bei diesem, aber auch meinem zweitem Paar folgendes Verhalten beobachten:

Das Weibchen ist der teil  des Paares, der den Bau anlegt. Ich meine jeweils drei doer vier Kammern erknnen zu können, die im/um das Mehrkammerhaus genutzt werden: Eine Kotkammer. Meist direkt zwischen Einstieg in den Bau und Mehrkammeraus. Eine Vorratskammer, ein Schlafnest und manchmal ein Futterplatz oder eine Art Müllhalde auf die Schalen entsorgt werden.
Beide hamster nutzen den Bau gemeinsam, bis ca. 4 Tage vor der Geburt des Wurfes. Dann vertreibt das Weibchen das Männchen aus dem Bau. Bei diesem Vorgang gab es die bisher einzige und harmlose Bissverletzung bei meinen Hamstern. Bis die Welpen aktiv den Bau erkunden/verlassen schläft er in einem alternativen Versteck. Nachdem die Jungen aktiv ihre Umgebung erkunden  teilt das Männchen sich mit ihnen ein Nest und darf auch wieder gemeinsam mit allem im Bau schlafen.

Ältere männliche Jungtiere werden scheinbar sehr lange vom Pärchen geduldet. Ein junges Männchen lebte mehr als drei Monate mit den Eltern und dem nachfolgendem Wurf gemeinsam.

Heranwachsende Weibchen werden vertrieben und verbissen. Lassen sich dann noch einige Zeit gemeinsam pflegen, werden dann aber auch untereinander unverträglich und müssen getrennt werden. Ich habe ein weiteres Weibchen aus meinem ersten Wurf nach zwei Wochen Einzelhaltung erfolgreich mit einem Bruder des Wurfes vergesellschaftet. Sie bilden mein zweites, erfolgreiches Paar.


Ob bei Paarhaltung eine Zuchtpause eingelegt wird kann ich noch nicht genau beurteilen. Bisher vorkommende Zuchtpausen können auch an dem individuellem Tier oder der Jahreszeit begründet sein. Der Abstand zwischen den Würfen schwankte bisher zwischen 3 und 8 Wochen.



Stand der Dinge

Klar sollte bei jedem Daueransatz sein: Paarhaltung ist nur für den Fortgeschrittenen Nagerhalter etwas und ein Daueransatz nur machbar, wenn man den Gesundheitszustand des Weibchens gut beobachtet und evtl. eingreift. Ich möchte noch einmal betonen, dass es sich hier um eine Futtertierzucht handelt. In der Regel ziehen die Weibchen die Welpen deswegen nicht vollständig auf und Würfe werden frühzeitig reduziert.


Was ist in dem Projekt weiterhin geplant?
Aus dem nächsten Würfen werde ich wieder ein Paar zusammenstellen und damit entweder Golden-Paar 1. ersetzen, die in Rente gehen werden, oder einen Haltungsversuch in größeren Dimensionen (120 cm oder 150 cm Gehegelänge sind geplant). Lebt auch dann das Pärchen noch harmonisch zusammen?

Zwei weitere Futterzüchter halten, durch meine Haltung inspiriert, momentan je ein Pärchen erfolgreich gemeinsam. Bei einem Paar handelt es sich um Hamster in Zooladenqualität in einem großzügigem Liebhabergehege, bei einem weiterem Paar um den Showtyp in 80 cm SAMLA-Box-Haltung. Bei einer Vergesellschaftung wurden sehr junge Tiere angesetzt, bei der anderen Tiere älter als ein Jahr.



Quellen

http://www.verwaltung.uni-halle.de/dezern1/presse/aktuellemeldungen/goldhams.pdf

http://feldhamster-in-wien.blogspot.de/2013_04_01_archive.html

http://www.feldhamster.de/derfeldhamster.html

http://www.markuskappeler.ch/tex/texs/feldhamster.html

https://de-de.facebook.com/HamsteryofParadise

http://www.hamsterzucht.info/

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Kommentare: 2
  • #1

    Marlon (Samstag, 04 Juli 2015 11:58)

    Hallo,
    echt sehr informativ deine Seite :)
    Und dieser Beitrag ist echt spannend, hat mir eine Freude gemacht ihn zu lesen.

    Mit freundlichen Grüßen
    MArlon

  • #2

    Viola (Sonntag, 12 Juli 2015 13:21)

    Danke für den tollen Erfahrungsbericht!