Katze gefunden...

Wer hat so etwas nicht schon einmal erlebt? Im Urlaub, im Garten, auf der eigenen Terrasse oder vor der Haustür taucht sie auf: Die unbekannte Katze. Sie ist anschmiegsam und anhänglich, nimmt gerne Futter an und kommt immer wieder. Versucht vielleicht sogar mit in Eure Wohnung zu gelangen...

Natürlich. Irgendwann hat man eine Beziehung zu dem Tier aufgebaut und gewinnt es lieb. Fühlt sich vielleicht verantwortlich. Viele, viel zu viele, nehmen diese Katze dann - gut gemeint - "bei sich auf", gehen vielleicht sogar zum Tierarzt. Oft wird sie aber auch einfach im Haus eingesperrt. Damit sie sich umgewöhnt. Drinnen hat sie es ja besser als als Streuner...


Wichtig ist aber: Quasi alle Katzen in normal besiedeltem Gebieten in Deutschland und ähnlichen EU-Ländern haben einen Besitzer und ein Zuhause. In dem gut für sie gesorgt wird und wo sie schmerzlich vermisst werden (bzw. dass sie ebenfalls schmerzlich vermissen, wenn sie in einem fremden Heim eingesperrt werden). Solche Katzen einfach bei sich auf zu nehmen ist nicht nur für Besitzer und Katze traumatisierend, sondern auch schlicht Diebstahl.


Erst recht, wenn die Katze gepflegt aussieht, zutraulich und/oder aufgeweckt ist, es sich um eine Rassekatze handelt und - im Falle eines Katers - sichtbar kastriert ist: Handelt es sich sicher nicht um einen Streuner.

Auch wenn die Katze vielleicht schlanker ausschaut als Eure eigene Katze, Futter oder sogar Kleinigkeiten, die eigentlich für den menschlichen Verzehr gedacht waren brauchen diese Tiere nicht. Ganz im Gegenteil: Viele Halter ernähren ihre Freigänger sehr bewusst und ausgewogen, viele Katzen haben diese oder jene Unverträglichkeit oder sogar schwere Erkrankungen wie Diabetes. Ein Wurstbrot kann für diese Tiere schwerwiegende Folgen haben.


Natürlich gibt es auch Katzen, die ausgesetzt oder verletzt wurden oder wild leben und wirklich unsere Hilfe brauchen. Ausgesetzte Tiere sind relativ selten anzutreffen - erst recht im Stadtgebiet. Wild-lebende Tiere sind in der Regel sehr scheu und lassen sich höchstens an-füttern aber nur sehr selten überhaupt berühren.


Wann sollte man also als Katzenfreund etwas unternehmen und was ist das - ohne Schaden anzurichten?


Fall 1) (ca. 90% der Fremdkatzenkontakte) Katzen nicht weiter beachten und nicht anfüttern, wenn es sich um:

  • Tiere mit einem gepflegten Fell handelt
  • sie unverletzt ist
  • die nicht abgemagert sind (Hüftknochen nicht sichtbar)
  • es sich um eine Rassekatze/seltene Farbe handelt
  • sie eindeutig kastriert ist
  • sie sehr zutraulich/selbstsicher in menschlicher Nähe ist
  • das Tier ein Halsband trägt oder Tätowiert ist

Seid Ihr euch unsicher ob es sich um eine Katze mit Zuhause handelt könnt ihr im Fachhandel ein Sicherheitshalsband für Katzen besorgen und einen kleinen Anhänger, in dem man ein Stück Papier einlegen kann. Eure Telefonnummer darauf mit einer Bitte um Anruf vom Besitzer kann Klarheit schaffen. Keine Antwort bringt aber keine Sicherheit darüber ob das Tier in guten Händen ist!


Fall 2) Bei dem folgenden Zustand solltet Ihr den örtlichen Katzenschutz informieren, evtl. ist dieser dankbar für eure Mithilfe und/oder kennt das Tier schon. Auf jeden Fall werden sie euch weiterhelfen können, wie am besten vorgegangen wird und geholfen werden kann:

  • abgemagerte Katze
  • struppiges Fell evtl. mit Löchern
  • es sich um ein scheues Tier handelt
  • das Tier nicht Kastriert ist (beim Kater sind die Hoden sichtbar, bei Katzen mit Welpen ist das Gesäuge vergrößert und die Zitzen sind "angenuckelt")
  • das Tier scheinbar stark mit Parasiten befallen ist (Würmer hängen aus dem After, ständiges Kratzen - besonders in den Ohren, viel Sekret in den Ohren)

Fall 3) In diesen Fällen muss sofort eingegriffen werden (Dicke Handschuhe nicht vergessen) und ein Tierarzt aufgesucht werden:

  • Die Katze ist schwer verletzt
  • die Katze trägt frische Operationsnarben/Verbände und ist eindeutig  frühzeitig aus der Haushaltung entwischt

Die Identität/Zugehörigkeit feststellen.

Auch wenn es bei Katzen rechtlich noch nicht verpflichtend ist: Viele Katzen sind inzwischen gechipt. Dh. ein kleiner Chip wurde unter die Haut gespritzt und dient lebenslang zur Identifikation eines Tieres. Alle Tierärzte und alle Katzenschutzvereine können diese Chips im Zweifelsfall auslesen und an Stellen, an denen man seine Tiere freiwillig registrieren kann weitergeben. zB. Tasso e.V. , das deutsche Haustierregister oder Catspot. Aber auch ohne Chip sollte ein gefundenes Tier diesen Organisationen unbedingt gemeldet werden, auch optische Merkmale können dazu führen, dass ein Tier zu seinem Besitzer zurück findet.

Übrigens: Der Fund einer Katze muss - wie jeder andere Fund auch - der Polizei angezeigt werden.


Handelt es sich um ein unverletztes Tier, bei dem nicht sofort eingegriffen werden muss solltet ihr auch Nachbarn und die nächsten Tierärzte informieren. Die meisten Halter sind froh, wenn sie erfahren wo und bei wem sich der eigene Stubentiger herumtreibt und evtl. kann man sich sogar absprechen, welches Leckerchen erlaubt ist und erfährt Name und Geschichte des regelmäßigen Besuchers.


Wenn Ihr aber so gerne eine Katze bei euch aufnehmen möchtet...

Dann ist die Besuchskatze auf der Terrasse nicht geeignet. Aber ein Besuch im örtlichen Tierheim oder eine Anfrage beim Katzenschutz vor Ort lohnt sich! Diese Vereine suchen immer liebevolle Familien für Katzen jeden Alters, Farbe und Charakter. Diese Tiere dort warten sehnsüchtig und brauchen wirklich Eure Hilfe und Zuneigung!

Wer einfach nur Streunern helfen möchte ist ebenfalls beim Katzenschutz gut aufgehoben: Futterstellen müssen bestückt, Schutzhütten aufgestellt, Kätzchen eingesammelt/aufgezogen und Katzen zum Kastrieren eingefangen werden. Sie sind dankbar für helfende Hände.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathrin (Montag, 28 September 2015 07:04)

    Volle Unterstützung für diesen tollen Beitrag!!!

    Wir haben unseren Kater dadurch "verloren". Obgleich wir die Leute damals sogar darüber informiert hatten, dass unser Kater sehr wohl ein zu Hause hat und nur spezielle Nahrung zu sich nehmen darf, wurde er weiterhin gefüttert und "eingesperrt". Sein kurzes Leben endete viel zu früh mit 7 Jahren - Nieren- und Herzinsuffizienz aufgrund falscher Ernährung.