Tierhaltung in der Schwangerschaft

Auch Tierhalter sind irgendwann an dem Punkt, wo "eigene Nachzuchten" anstehen. Von Außenstehenden hört man dann in der Regel ein "die Schlangen gibst Du jetzt aber ab, oder?" oder "Katzen müssen weg, wenn man schwanger ist". Ich möchte hier auf meine persönlichen Erfahrungen eingehen, was ich ausprobiert habe und was gut bei uns funktioniert. Außerdem, was ich, ganz persönlich - als nicht Arzt, für richtig halte.

Ich gehe dabei davon aus, dass die Schwangere im großen und ganzen gesund ist und die Tiere nicht erst in der Schwangerschaft angeschafft werden. Das mag natürlich auch gehen, aber da ein Tier in der Anfangszeit immer besonders viel Aufmerksamkeit bedarf würde ich empfehlen das zu vermeiden. Wenn man im Alltag mit Baby angekommen ist, ist immer noch genug Zeit für ein neues Aquarium/Hund/Katze/Rattenhaltung.

 

Neben der ganzen Aufregung in dieser Zeit auf das kommende Wunder: Vergesst bitte nie: Ihr habt auch für eure Haustiere Verantwortung übernommen und zwar für ihre gesamte Lebensspanne (und nicht nur, bis sie nicht mehr bequem in eure Freizeit passen). Ihr Leben hängt von euren Entscheidungen ab.


Das Haustier der Krankheitsüberträger

Was dazu jeder Schwangeren sofort einfällt:
Toxoplasmose. Den Test darauf bzw. ob schon Immunität besteht zahlt in der Schwangerschaft in der Regel die Krankenkasse in Deutschland. Kann diese Immunität angenommen werden kann sich die Schwangere entspannen, was den Umgang mit Katzen, Nagetieren. Gartenarbeit, rohem Fleisch und ausgewaschenem Obst und Gemüse angeht.
Ist sie aber bisher nicht mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist eine Infektion in der Schwangerschaft unbedingt zu vermeiden. Das heißt nicht, dass man jetzt nicht mehr seine Tiere versorgen darf/diese weggeben muss und nicht mehr in der Küche stehen darf. Nur ein sorgfältiges einhalten von Hygieneregeln ist jetzt wichtig:

  • Katzen, Nager und Co. streicheln ist erlaubt, wenn sich danach die Hände gewaschen werden. Geküsst und mit ins Bett genommen werden, oder anderer sehr intensiver Kontakt sollte aber vermieden werden.
  • Rohes Katzenfutter/Futtertiere nur mit Handschuhen verarbeiten und verfüttern
  • Das gleiche gilt für die Reinigung von Katzenklo, Nagerkäfig, aber auch für Ausscheidungen von anderen Nagerfressern.
  • (Auch bei der Gartenarbeit und in der Küche ist dann auf besondere Hygiene zu achten, das hat aber wenig mit Tierhaltung zu tun und soll hier deswegen nur kurz erwähnt werden)

Salmonellen. Eine Infektion mit diesen kleinen Sympathen ist nie besonders schön. Aber eine Infektion ist für Schwangere und Kind nicht besonders gefährlich/gefährlicher als ein grippaler Infekt. Auch, wenn es stellenweise behauptet wird. Wer auf Nummer-Sicher gehen möchte testet seinen Bestand (Einsenden einer Kotprobe) von Geflügel und Reptilien. Wenn sie positiv auf Salmonella getestet werden, können die Tiere behandelt werden. Eine Infektion in Küche oder Restaurant ist aber trotzdem sehr viel wahrscheinlicher.

 

Ähnliches gilt für diverse Würmer, Flöhe, Pilze und Milben. An sich ist die Infektion in der Schwangerschaft damit nicht besonders gefährlich. Allerdings kann die Behandlung evtl. nicht so uneingeschränkt erfolgen, wie bei nicht-Schwangeren. Hier ist deswegen besondere Vorsicht walten zu lassen und lieber einmal der Katze eine Wurmkur mehr zu verpassen, als man es üblicherweise machen würde.


Das Heben

Das ist wohl die größte Einschränkung, meiner Meinung nach. Die Schwangere soll nicht schwerer als 5 kg heben und kann das auch recht schnell nicht mehr (Bauch im Weg, Bauchmuskeln lassen sich nicht mehr so recht benutzen). Das macht auch schon den Alltag mit einem kleinerem Aquarium oder den Großeinkauf Katzenfutter schwierig. Hier hilft nur eines. Gerade fürs Saubermachen: Holt euch Hilfe. Freunde, Nachbarskinder, Partner, Familie. Irgendjemand wird bereit sein euch zu unterstützen. Und wenn der Käfig dann erst mal nur noch alle zehn statt alle sieben Tage sauber gemacht wird. Der Schutz von Mutter und Kind geht hier vor.


Allergien

Die Eine oder Andere ist möglicherweise gegen ihr Haustier, dessen Futter oder Einstreu allergisch. Die Symptome können - müssen sich aber in der Schwangerschaft nicht verändern. Einige Medikamente zur Behandlung der Symptome sind auch in der Schwangerschaft recht gut erforscht und können bedenkenlos genommen werden. Besprecht das aber unbedingt mit eurem Arzt!
Ich persönlich finde: Was man vermeiden kann, gerade an Medikamenten, dass kann man auch vermeiden. Wenn ihr keine Medikation nötig habt, wenn ihr für die 10 Monate eine andere (vielleicht ein wenig unbequemere) Streusorte benutzt oder jemand anderes die Versorgung mit direktem Tierkontakt übernimmt, dann ist das evtl. das Mittel der Wahl.


Die Vertretung für den Notfall

Da man nicht weiß, ob und wann irgendwelche Komplikationen auftreten: Mein Tipp: Am besten direkt zu beginn der Schwangerschaft Zeit und Aufgabenpläne anfertigen (zB. 2x die Woche Chamäleons füttern, täglich Wasser wechseln, Katzenstreu jeden Freitag auffüllen,...) Notfallnummern (Tierfutterhändler, Tierarzt, etc.) aufschreiben und alles zusammen im Haushalt auslegen. Damit kann dann mindestens eine Person in alle nötigen Pflegearbeiten eingewiesen werden. Am besten ist sie gleich praktisch dabei. Ihr werdet mindestens eine Woche, eher zwei (Geburt und Wochenbett) komplett ausfallen und werdet danach nicht alle Aufgaben sofort wieder übernehmen können. Auch in dieser Zeit muss der "tierische Laden laufen".


Minder giftige Haustiere

Wie Bienen, wenig giftige Skorpione und Spinnen. Außerdem diverse Trugnattern. Sie können meiner Meinung nach weiter versorgt werden. Auch ist bei diesen Tieren ein direkter Kontakt nicht nötig. Im Zweifelsfalle könnt ihr euch beim Giftnotruf informieren und eure Situation einschätzen lassen.

Wer das auf Risiko seiner eigenen Gesundheit bisher so praktiziert: Vogelspinnen würde ich, spätestens in der Schwangerschaft, aus den Schlafräumen und hauptsächlichen Aufenthaltsräumen verbannen. In einem ruhigerem Teil des Hauses findet sich sicher auch ein schönes Plätzchen. Auch wenn die Guten nicht ans Bomberdieren denken: Die feinen Brennhaar-Stücke verteilen sich zu gut in der Atemluft und können für den Halter langfristige Folgen haben.


Giftige Haustiere

Dazu zähle ich auch Tiere, deren Giftwirkung (oder sogar genaue Art) unklar ist: Das Meerwasseraquarium. Neben einigen giftigen Anemonen und Co. wird durch Lebendgestein eine bunte Mischung an "Unbekannten" eingesetzt. Eine Vergiftung durch so einen unbekannten mag selten sein. Ist aber meiner Meinung nach in der Schwangerschaft unnötig. Pflegearbeiten im Becken selbst würde ich deswegen immer einer anderen Person im Haushalt übertragen.

Gifttiere wie diverse Schlangen sollten meiner Meinung nach nicht in der Schwangerschaft gepflegt werden. In eurem bisherigem Alltag geht ihr das Risiko eines Unfalls mit diesen Tieren für euch selbst ein und könnt sicherlich Tiere, Pflege und Situationen auch gut einschätzen. Aber im Moment der Schwangerschaft trägt auch ein unbeteiligter das Risiko mit. Dazu reagiert und arbeitet euer Körper nicht wie gewohnt zuverlässig.  In dem Fall würde ich bei eurer Urlaubsvertretung, örtlichen Verbänden oder Pflegestellen nachfragen: Ob die Pflege - je nach Räumlichkeit - bei euch Zuhause von jemand anderem übernommen werden kann oder sogar eine Unterbringung...vielleicht sogar bis über die ersten Lebensmonate des Kindes hinaus...möglich ist. Möglicherweise kann man so auch noch etwas für die Art tun, wenn ein Vereinskollege mit dem "geliehenen" Männchen zB. endlich die ersten Zuchtversuche unternehmen kann.


Große und "gefährliche" Haustiere

Denken wir an Tiere, die deutlich schwerer sind als 5 kg oder nur sehr schwer zu handeln sind. Krokodile, große Warane, Riesenschlangen...aber auch ein kleiner süßer Teju kann, körperlich eingeschränkt, nicht zu bändigen sein. In diesem Fall habt ihr sicher schon mindestens eine Person, die ihr für "anstrengendere Aufgaben" (Umsetzen, Medikamentengabe, Fütterung) zu Hilfe holt. Wenn nicht, wird es jetzt höchste Zeit. Ein Tier dieser, Größe, dass nicht in Bestform ist und eine Schwangere, die wegen ihrer körperlichen Veränderungen nur eingeschränkt leistungsfähig ist, sind nicht die sicherste Kombination.
Auch wenn leichte Aufgaben wie Wasserwechsel oder punktuelles Reinigen natürlich auch eine Schwangere übernehmen kann. Ansonsten gilt natürlich alles, was ich schon unter "Heben" erwähnt hatte.


Abschließend möchte ich noch sagen: Vieles ist möglich. Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Zustand. Bis auf die obigen Kleinigkeiten bleibt ihr trotzdem noch die Tierlieben Menschen, die ihr vorher wart. Und was gibt es schöneres für Kinder als von Anfang an mit (exotischen) Haustieren aufzuwachsen?

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